Dr. phil. Christoph Quarch

21. März ist der Welttag der Poesie

Veröffentlicht am 21. März 2017

Das Spiel ist die erste Poesie des Menschen.
(Jean Paul, 1763–1825: eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge)

Und wer die gestrige nacht:sicht Sendung verpasst hat, findet Sie anbei mit diesem Link.


Mein Beitrag zur CeBit

Veröffentlicht am 20. März 2017

Menschendämmerung eBook Titel

Mein Essay »Menschendämmerung« ist als eBook unter diesem Link erhältlich.
Ich meine, dass wir uns mehr mit unserer schönen und neuen Welt auseinandersetzen sollten und müssen.

Es ist an der Zeit, sich klar zu machen, wohin die Menschheit geht!


»Gott ist tot« – und was machen wir jetzt?

Veröffentlicht am 19. März 2017

Nietzsche sagte: »Gott ist tot«. Heidegger sagte: »Nur ein Gott kann uns noch retten«. Diese Worte markieren den Horizont, vor dem man heute über Gott nachdenken muss. 500 Jahre nach der Reformation geht es nicht mehr um Luthers Frage: »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?«, sondern um die Frage: »Wie können wir den Gott denken, der uns retten wird?«. 

Vortrag / Livemitschnitt in der Vortragsreihe »Gott ist tot« (alle weiteren Fulda-Termine siehe Vorträge).


Livemitschnitt Vortrag »Rettet das Spiel« in Kleinwallstadt, 9. März 2017

Veröffentlicht am 12. März 2017

Es gibt endlich einen Podcast von mir: »Philosophie, die dich begeistert«!
Den Auftakt macht mein Vortrag »Rettet das Spiel. Weil Leben mehr als Funktionieren ist«, den ich in Kleinwallstadt gehalten habe. Zum Vortrag geht es hier.


»Augenblick mal« – vom Innehalten in der Sofortgesellschaft

Veröffentlicht am 03. März 2017

Ein Kurzinterview mit mir auf HR1 vom 26.2.2017 – per Klick hier.


GRENZEN

Veröffentlicht am 19. Februar 2017

Das größte Thema unserer Zeit heißt Grenzen. Wer hätte das gedacht? Wir waren auf dem Weg zur Grenzenlosigkeit, wir fuhren durch Europa ohne Grenzkontrollen, die innerdeutsche Grenze fiel, die Grenze zwischen West und Ost wurde porös. Zugleich begann der Siegeszug des grenzenlosen Marktes: Globalisierung, Welthandel, Finanzströme. Und dann, der vorerst größte Meilenstein auf diesem Weg zur Grenzenlosigkeit, das Internet. Grenzenlos viele Daten, die in Echtzeit über alle Grenzen springen, grenzenlose Freiheit im virtuellen Raum. Sollte ein alter Traum der Menschheit doch noch wahr werden? Ein Leben ohne Grenzen? Ein Traum oder ein Alptraum?

Im alten Griechenland, wo vor 2500 Jahren eine unvergleichliche Kultur erblühte, sah man das Thema Grenze mit ganz anderen Augen. Es war die feste Überzeugung jener Menschen, dass alles Leben Grenzen braucht und dass im Menschenleben Grenzenlosigkeit und Grenze nicht zu trennen sind. Péras und Ápeiron – so die griechischen Worte – bedürfen einander: Die grenzenlose Energie des Lebens braucht die Form, die ihr die Grenze gibt, erklärte Platon in seinem Philebos. Und in den Werken seines Schülers Aristoteles stößt man auf einen echten Horror vorm Unendlichen, der wie ein cantus firmus bei ihm wiederkehrt: Der Kosmos muss einen Anfang haben und das Geldwachstum ein Ende, alles hat ein eigenes Maß, das ihm die Grenze setzt. Sie zu verletzen, führt zu Unheil und Verderben, meinte er.
Im Hintergrund des ursprünglichen Denkens steckte eine tiefe Wahrheit: das Wissen um die Grenze, die der Tod setzt: θνήτα φρονεῖν – Bedenke dass du sterblich bist! Das war ein vielzitiertes Wort. Die Grenze, die der Tod setzt, wurde akzeptiert. Der Mensch verstand sich als ein Sterblicher. Man wusste, dass Unsterblichkeit und Grenzenlosigkeit dem Menschen Wert und Würde rauben. Und man verurteilte das Aufbegehren gegen diese Grenze als maßlos und vermessen: als hýbris.

Was hätte wohl ein Sokrates gedacht, wenn er von dem erfahren hätte, was die Vordenker der IT-Branche uns in Aussicht stellen: die Überwindung der Grenze von organischer und künstlicher Intelli-genz, die Überwindung der Grenze des Todes durch Digitalisierung des Gehirns, die Überwindung aller Grenzen durch den Fortschritt der Robotertechnik? Er wäre nicht beglückt darüber, hätte uns gewarnt. Und er hätte uns gefragt, was diese Grenzenüberschreitung mit uns Menschen macht.

Tatsächlich sehen wir inzwischen klar, wohin es führt, wenn Grenzen fallen. Mit ihnen fallen auch Tabus und Werte. Im Internet sind nicht nur quantitativ alle Grenzen überschritten, auch qualitativ – vor allem ethisch und moralisch – werden alle Grenzen eingerissen: Postfaktizität. Und was im Internet geschieht, ereignet sich genauso in der analogen Welt aus Fleisch und Blut: Wo Anstandsgrenzen walteten, herrscht blanke Barbarei. Die grenzenlose Wirtschaft und ihr Traum vom grenzenlosen Fortschritt schaffen eine grenzenlose Umweltkatastrophe. Grenzenlose Fundamentalisten und Politiker erzeugen grenzenlose Flüchtlingsströme, die grenzenloses Elend mit sich bringen.
Kein Wunder, dass der Ruf nach Grenzen wieder laut wird! Kein Wunder, dass man Präsident der USA wird, wenn man den Menschen Grenzen zusichert! Kein Wunder, dass die Briten neue alte Grenzen wollen. Die Schere öffnet sich bedrohlich: der Grenzenlosigkeit im digitalen Raum entspricht ein neuer, militanter Ruf nach analogen Grenzen. Doch bringen diese analogen Grenzen die Begrenztheit, die das Leben braucht? Wohl eher nicht – genauso wenig wie die digitale Grenzenlosigkeit uns gut tut.

Was ist zu tun? Wir brauchen Grenzen, die das Leben schützen. Das heißt vor allem, jene Grenzen anzunehmen, die das Leben setzt. Die Grenze meines Lebens ist gezogen durch den schlichten Umstand, dass ich nicht allein bin: dass neben mir noch andere sind, die leben wollen – dass ich ein Teil des großen Kosmos bin, dessen Gesetze mir das Leben möglich machen und mir Grenzen setzen, Grenzen des Wachstums, Grenzen des Lebens, Grenzen der Entfaltung; dass ich zu sterben habe, damit nach mir anderes, neues Leben auf der Erde wandeln kann. Begrenztheit ist der Preis, den wir dafür zu zahlen haben, dass es Vielfalt und damit auch Schönheit gibt. Der Wunsch nach Grenzenlosigkeit ist – recht betrachtet – gar nichts anderes als ein ins Grenzenlose aufgeblähter Ego-ismus.
Leben braucht Grenzen: das zu akzeptieren ist der erste Schritt zur Rettung. Den Leuten, die uns Grenzenlosigkeit verheißen – sei es im digitalen oder analogen Raum – sollten Sie abschwören. Und Lehren – seien sie wissenschaftlich, philosophisch oder spirituell gewandet –, die Ihnen die Erfüllung in der Grenzenlosigkeit verheißen, sollten Sie tunlichst meiden. Nicht grenzenloses Einerlei ist, was das Leben zur Entfaltung der Lebendigkeit benötigt: sondern es braucht den Respekt vor jenen Grenzen, die das bunte, schöne, vielfältige, bezaubernde Konzert des Kosmos überhaupt erst möglich machen.

Leben braucht Grenzen, und die Kunst des Lebens besteht darin, die begrenzten Wesen so ins Verhältnis zu setzen, dass sie sich zu einem schönen Ganzen fügen – zu stimmigen Ganzheiten, die miteinander und im Wechselspiel Erfüllung finden. Das eben ist das Schöne am Projekt Europa: dass es Grenzen anerkennt und dabei doch auf einer höheren Ebene ein Ganzes ist. Das ist auch das Schöne eine Partnerschaft: dass sie die Grenze anerkennt und liebt, die mir durch einen anderen gezogen ist.

Am Ende ist es eine Aufgabe des Geistes, mit Grenzen – die nun einmal da sind und die wir auch brauchen – richtig umzugehen. Wir brauchen einen Geist, der Grenzen nicht beseitigt, sondern das Begrenzte aneinander bindet. Wir brauchen einen grenzenlosen Geist der Liebe und Verbundenheit. Nur hier ist Grenzenlosigkeit dem Leben dienlich. Allein ein solcher Geist wird dem genügen, was das Leben zur Entfaltung braucht.

Doch nicht nur das. Wir brauchen ferner einen Geist, der Grenzen setzt, – vor allem in der immateriellen, scheinbar nicht den Gesetzen des Lebens unterworfenen digitalen Welt. Nur ein grenzsetzender Geist wird uns vor digitaler, ökonomischer und moralischer Hybris retten, denn nur er wird lebensdienliche Grenzen zu ziehen vermögen: Grenzen, die uns vor der digitalen und moralischen Maßlosigkeit bewahren; Grenzen, die wir dringend brauchen.

Das Grenzenziehen den Populisten und Trumps dieser Welt zu überlassen, wäre fatal. Lassen Sie uns miteinander dafür kämpfen, das Grenzen wiederkehren, die dem Leben dienen – im Denken und Handeln, in Moral und Politik, in Wirtschaft und im Datennetz; Grenzen, die nicht durch Stacheldraht und Mauern markiert sind; Grenzen, die verbinden und nicht trennen.


Ein Interview mit mir gibt es heute im HR2-Kulturcafé um 17.10 Uhr

Veröffentlicht am 13. Februar 2017

Zur Sendung: Um die Pippi-Langstrumpf in uns allen geht es hinter diesem Link.

 


Im Mittelpunkt der Mensch

Veröffentlicht am 05. Februar 2017

Ein Interview mit mir auf der UP UnternehmerPositionNord-Seite der HSH Nordbank zum Thema »das menschliche Miteinander in der Arbeitswelt von morgen« finden Sie hier.

 


Interview auf BildderFrau.de zum Pippi-Kult

Veröffentlicht am 02. Februar 2017

Was haben wir alle und Donald Trump im Besonderen mit Pippi Langstrumpf gemein?

Mit diesem Link geht es zum Interview auf BildderFrau.de

 


Die Macht der Begeisterung

Veröffentlicht am 30. Januar 2017

Was ist Kultur?

Eine Folge von Events? Ein Wirtschaftszweig? Das Produkt einer potenten Unterhaltungsindustrie?

Zu alledem ist sie geworden. Ihr Wesen aber ist es nicht. Ursprünglich ist Kultur ein kultisches Geschehen. Sie öffnet Räume für den Geist: Gewächshäuser, in denen echte Menschlichkeit gedeihen kann. Das Wesen der Kultur ist die Begeisterung.

Begeisterung ist Energie. Wer Menschen zu begeistern weiß, vermag sie auch zu energetisieren. Kultur ist so gesehen eine kostbare Ressource. Sie liefert unserer Menschlichkeit den Brennstoff. Da, wo sie waltet, brennen wir nicht aus; da, wo sie sich ereignet, sind wir eigentlich lebendig. Denn sie befähigt uns, einander zu verstehen und in der Tiefe unseres Lebens Sinn zu finden. Sie beschenkt uns mit der Möglichkeit, uns mitzuteilen und uns zu bekunden. Sie stiftet unsere Identität. Sie hält ein Menschentum im innersten zusammen.

Kultur ist eine Macht. Sie ist das Fundament von Zivilisationen. Das gegenwärtige Europa droht nicht zuletzt deshalb auseinanderzufallen, weil die europäische Politik es versäumt hat, Europa als Kulturraum zu entfalten. Stattdessen hat man aus Europa einen Markt gemacht. Dass dieser Kontinent trotzdem noch immer in sich Eines ist, verdankt sich der gemeinsamen, verbindenden Kultur. Darin erscheint die Macht dieser Kultur. Sie bekundet den gemeinsamen europäischen Geist, der wie ein Zentralgestirn die einzelnen Völker Europas um sich sammelt.

Die Macht einer Kultur gründet darin, Werke hervorzubringen, die begeistern und verbinden. Dafür braucht sie geschützte Räume und Zeiten. Sie braucht Feste und Feiern, bei denen sie sich erneuern und befeuern kann. Sie braucht die Begegnung von Menschen, die sich offenen Herzens und offenen Sinnes dem Zuspruch und Anspruch der Kultur ausliefern – und ihre Verantwortung darin erkennen, mit ihrem persönlichen, politischen und wirtschaftlichen Tun diesem Anspruch Antwort zu geben. Sie braucht – und verdient – ein anspruchsvolles Publikum.

Ein anspruchsvolles Publikum wird dafür Sorge tragen, dass die Macht der Kultur nicht von den Mächtigen vereinnahmt wird. Es wird sich nicht zum Konsumenten kulturindustriell verfertigter Waren konvertieren lassen, sondern sich einlassen auf die große Konversation des Geistes, die sich dort zuträgt, wo Kultur lebendig ist.